Bangalore (Indien)

Montag, August 07, 2006

45. - 46. Tag (Hampi)

Wohlbehalten melde ich mich von meinem Wochenendtrip zurück! Es war sehr schön, ja schon fast traumhaft. Doch ich erzähl’s euch der Reihe nach…

Am Freitagabend sind wir gegen 22:15 Uhr in den Zug nach Hampi gestiegen. Wir sind zu fünft unterwegs gewesen. Zum einen waren da Verena und Thomas, zwei Kollegen aus dem Guesthouse, sowie Anna, die Freundin von Thomas und Alex, mit dem ich auch schon in Mysore eine witzige Zeit hatte. Nummer 5 war dann ja wohl meine Wenigkeit ;-)
Zugtickets hatten wir nur 4, da Alex sich spontan entschieden hatte. Aber auch das hat gut geklappt und per Zufall hatte er sogar einen Platz in unserem Abteil erwischt. Wir sind natürlich wieder Sleeperclass gefahren, sodass wir uns wie gewohnt ordentlich lang machen konnten. Na ja gut … manche Füße waren länger als die Pritschen, aber das wussten wir ja schon.

Nach einer geruhsamen Nacht für die einen, und einer schlaflosen für die anderen, sind wir am Samstagmorgen gegen 8 Uhr in Hospet am Bahnhof angekommen. Für die 13 km nach Hampi haben wir uns 2 Rikschas genommen… der Bus wäre zwar deutlich billiger gewesen, aber bei 1,50 € pro Rikscha, sagt der „verpranzte“ Deutsche nicht nein ;-)
In Hampi angekommen, haben wir uns erst einmal eine Unterkunft suchen müssen, da wir die Wochen vorher telefonisch niemanden in dem Nest erreicht hatten. Uns wurde aber schnell klar, dass wir nicht auf der Straße übernachten müssen und die Sorgen, etwas zu finden völlig unberechtigt waren, nachdem uns 15 Mann umlagerten und uns Gästezimmer anboten… So etwas wird ab einem bestimmten Punkt voll nervig, aber wir sind ja tolerant :-) Auf jeden Fall haben wir uns dann für ein nettes Häuschen entschieden, wo wir 3 Zimmer nahmen und unser Gepäck gleich ablegen konnten. Ein Zimmer sollte ca. 3 € kosten pro Nacht, was pro Person also so ca. 1,50 € waren. Dafür wurde uns 24h warmes Wasser und Strom versprochen. Für die paar Stunden, die wir im Gästehaus waren, hatten wir Strom, aber warmes Wasser nicht wirklich. Grund genug für uns bei der Abreise den Preis noch einmal nach unten zu korrigieren ;-)
Nachdem wir das mit der Unterkunft geklärt hatten, wollten wir dann gegen 11 Uhr erstmal etwas Frühstücken, denn wir hatten einen Bärenhunger. Die zahlreichen Restaurants in dem kleinen Hampi, waren sehr einladend. Neben den witzigsten Rechtschreibfehlern, boten die meisten Speisekarten leckere Eierkuchen mit Nutella oder Früchten… genau das richtige für meinen süßen Geschmack! Dort haben wir uns zu fünft erstmal für knappe 8 Euro richtig satt gegessen. Damit waren wir dann auch gestärkt, um die zahlreichen Sehenswürdigkeiten anzuschauen, wegen denen wir eigentlich nach Hampi gekommen waren.
Als erstes Stand der unübersehbare Tempel auf dem Programm. Dort haben wir uns von einem Führer den wichtigsten Teil der Hindi-Götter-Geschichte erzählen lassen. Der Tempel hatte zudem 2 Besonderheiten zu bieten. Zum einen gibt es in ihm eine Kammer mit einem Loch in der Wand, welches einen fotografischen Effekt erzielt. Bei einfallendem Sonnenlicht sieht man das spiegelverkehrte Abbild des Tempel-Turms an der Wand. Angesichts dessen, dass der Tempel schon mindestens 500 Jahre alt ist, ist das schon beachtlich, sollte das wirklich bewusst so gebaut worden sein.
Die andere Besonderheit ist der Tempel-Elefant, von dem man sich segnen lassen kann. Dazu legt man dem Elefanten eine Münze in den Rüssel (linkes oder rechtes Rüsselloch – ist egal). Die Münze gibt er dann dem Mönch in die Hand, der neben ihm steht. Anschließen tippt der Elefant dem Spender mit dem Rüssel auf den Kopf, und schon ist man gesegnet. Das war ein Spaß! Hoffentlich hält der Segen recht lange an. Nach einer Weile wurden wir von Polizisten freundlich mit Trillerpfeifen aufgefordert den Tempel zu verlassen, da der indische Finanzminister auf dem Weg nach Hampi war, und auch in den Tempel wollte. Die Ankunft des Ministers haben wir von einem kleinen Hügel verfolgt. An der Hauptstraße waren kostümierte Wächter postiert, die dem Minister und seinen Gefolgen eine Gasse bildeten. Mit Trommeln und allerlei Tamtam kam dann die ganze Bande einmarschiert. Viel mehr haben wir an dem Tag dann auch nicht von denen gesehen.
Unser weiterer Weg führte auf einen Felsen mit einem kleinen, alten Tempel. Von dort bot sich uns eine atemberaubende Aussicht über Hampi, seine Tempel und den breiten Fluss, der durch den Monsun recht viel Wasser führte. Dort oben wäre ich gerne noch eine Weile geblieben, um die Aussicht noch stundenlang zu genießen! Aber wir hatten noch die Ruine eines älteren Tempels zu besichtigen. Auch die „archäologischen Arbeiten“ der Inder waren interessant anzuschauen. Alte Säulen wurden teilweise durch Betonblöcke ersetzt, einfach nur um die Stabilität zu gewährleisten. Und Frauen waren wieder zu sehen, die Schalen mit Erde auf dem Kopf transportierten.

Ich hatte ja erwähnt, dass Hampi die größte Ausgrabung in Südindien ist. Im 15. und 16. Jh. war Hampi der Mittelpunkt eines der größten Hindu-Reiche. Mit 500.000 Einwohnern in der Blütezeit beherrschten die Leute dort über den Gewürzhandel und die Baumwollindustrie. In der Zeit danach sind die Sultane eingefallen und haben das Reich gestürzt. In der Zeit wurden auch die meisten Hindu Tempel ringsum zerstört. Der Haupttempel in Hampi blieb verschont, da sich die Muselmanen nach der Geschichte nicht in den Tempel trauten, weil dort Schweinen waren. Und Schweine gelten ja im Islam bekanntlich als unrein. Aber das nur als kleiner geschichtlicher Exkurs, um dem Blog die gebührende Note Niveau einzuhauchen. Vielleicht macht das einige der Rechtschreibfehler von mir wett ;-)

Nachdem wir vorerst genug hatten von Herumlaufen und Ruinen anschauen, sind wir wieder in den Ort Hampi gegangen, wo Thomas und ich uns jeweils ein Hemd haben nähen lassen. Für 2 € das Stück kann man nichts verkehrt machen. Die haben wir bestellt und nach dem Abendessen wieder abgeholt. Gegessen haben wir übrigens im Restaurant „Mango Tree“, was etwas außerhalb Hampis inmitten einer Bananenplantage gelegen ist. Wir sind dort auf Empfehlung unserer Sozialpädagoginnen hin, die schon vor 2 Wochen dort waren. Und es hat sich gelohnt! Wir saßen dort auf dem Boden vor niedrigen Tischen auf einer Terrasse, und haben den Blick über den Fluss genossen. Vor allem die große Schaukel hat mir Freude bereitet, auf der man schön ausspannen konnte.
Nachdem wir unsere Hemden abgeholt hatten, haben wir uns ins Gästehaus aufgemacht. Dort haben wir noch eine Melone geschlachtet und auf dem Dach des Hauses verputzt. Was außerdem recht witzig war: Auf dem Weg zum Gästehaus sind wir an einem Laden vorbeigekommen, wo CDs verkauft wurden. Ob mehr als ein Drittel davon original waren, darf stark bezweifelt werden. Es bot sich aber die Möglichkeit endlich mal ein bisschen indische Musik zu beschaffen, die sich zu manchem Film oder Präsentation anbietet. Nachdem ich die Festplatte des PCs durchforstet hatte, war dann auch mein mp3-Player prall gefüllt. Anstelle mit Rupees zu bezahlen, rückte ich auch einige meiner Titel raus. So funktioniert Filesharing in Indien ;-)

Am Sonntagmorgen sind wir gegen 9:00 Uhr aufgebrochen. Zum Frühstück haben wir wieder lecker Eierkuchen, sowie Omelett gegessen. Das lustige an diesem Restaurant war, dass quer durch das Zelt, in dem wir saßen, eine Kuh und ein paar Hunde durchgelaufen sind. Aber solange die Gesellen keine Haufen hinterlassen, wollen wir mal tolerant bleiben ;-)
Nach der guten Stärkung haben wir uns zu Fuß auf den ca. 2 km entfernten „Vittala Temple“ gemacht. Da dieser zu den Weltkulturerben gehört, durften wir als Touristen wieder einmal extra zahlen. Aber in den $5 Eintritt konnten wir noch andere Sachen mit angucken, welche noch später auf dem Plan standen. Der Vittala Tempel war von der Bauweise und Form eigentlich nur ein weitere Tempel in der Masse der vielen anderen. Besonders war jedoch, dass die Figuren und Säulen besonders akkurat gearbeitet waren.
Nach diesem Tempel waren dann noch 2 weitere alte Bauwerke anzuschauen, die etwas außerhalb Hampis lagen. Auf dem Weg dorthin haben wir erst noch einmal in Hampi selbst halt gemacht, um für Alex Zug- und Bustickets zu besorgen, da er noch eine kleine Rundreise angehängt hat.

Nachdem wir noch ein paar Ruinen erklommen und Museen durchforstet hatten, wollten wir die Ausgrabung dann hinter uns lassen und sind wieder in Richtung Hospet gefahren. Dort haben wir noch in einem schönen Hotel als vorgezogenes Abendbrot indische Gerichte verzehrt. Anschließend haben wir Alex auf dem Busbahnhof verabschiedet und sind in Richtung des anderen Bahnhofs gelaufen. Nach 20 Minuten Verspätung und hunderten bettelnden Kindern kam dann der Zug nach Bangalore und brachte uns wieder zurück.